Eine Pizzeriavon außen, schön und behaglich beleuchtet, im Eingang steht eine Mitarbeiterin. Vor der Eingangstür eine ansehnliche Treppe mit fünf Treppenstufen. Es wird gerade Abend.

Luss mit schlustig

Bis gestern Abend dachte ich im Vorbeigehen immer wieder denselben Gedanken: „In dieses Restaurant möchte ich niemals einkehren.“

Wegen Traurigkeit. Was für Treppenstufen sind das denn hier. Nie, nie kann mein Sohn hier rein. Die schönste Pasta, der beste Wein, die hellste Atmosphäre wiegen das traurige Gefühl nicht auf.

Gestern beim Abendspaziergang also wieder derselbe Gedanke. Und noch einer hinterher: „Sobald wie möglich werde ich ein Blogpost über die Misere verfassen.“ Da hat mich die freundlichen Dame (im Bild) auch schon registriert und bittet mich herein in die treppenbestufte Pizzeria. 

Ich habe keine Lust und erzähle ihr bei der Gelegenheit auch gleich von der Misere. Sie reagiert freundlich und verständnisvoll. Als hätte sie selbst genau das eigentlich immer schon mal sagen wollen. Und wirkt dabei sehr aufrichtig. 

In aller Deutlichkeit: Wegen mir gäbe es solcherlei Stufen bald nicht mehr. Jedenfalls nicht ohne einen weiteren alternativen Zugang. Vor keinem Geschäft, keiner Arztpraxis, keiner Eisdiele oder Apotheke. Nada, aus, basta. Luss mit schlustig! 

Und ihr, was haltet ihr grundsätzlich von einer Verpflichtung zur Barrierefreiheit für private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten?

Wir leben nun einmal in einer s-o-z-i-a-l-e-n Marktwirktschaft. In unserem Grundgesetz steht dieser wunderschöne Satz, der besagt, dass Eigentum auch verpflichtet. Er lautet: „Eigentum verpflichtet.“ Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Muss man sich mal vorstellen! Da steht wirklich: „Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Okay, der Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ steht erst seit 1994 im Grundgesetz. So manches spricht sich halt auch nicht ganz so schnell rum.

Aber er steht da! Worauf warten wir also noch?!

Seit gestern weiß ich, dass es im Nachbarort einen barrierefreien Ableger der Pizzeria gibt. Ratet mal, wo Paul und ich am Wochenende essen werden? 

Nebenbei – keine Ahnung, aber vielleicht gehe ich hier, also in dem anderen Ding hier in Brühl, irgendwann doch mal die Treppe rauf. 

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